
Referenz · Bad Honnef · 2022 bis 2024
Ein Park unter Denkmalschutz
Freianlagen am Parkensemble Schaaffhausen
Die Villa Schaaffhausen in Bad Honnef-Rommersdorf ist eines der bekanntesten Baudenkmäler der Stadt. Unter Schutz steht nicht nur das Haus, sondern das Ensemble: das Fachwerkhaus des ehemaligen Weinguts von 1776, der Monopteros von 1874, und die Parkanlage selbst.
Wir haben dort die Freianlagen gebaut. Zwei Jahre lang, auf gewachsenem Boden und auf einer Tiefgaragendecke.
Der Umfang in Zahlen
Quadratmeter vegetationstechnische Bodenarbeiten
Quadratmeter Wege und Plätze im Park
Quadratmeter Gabionen, mit eigener Statik
Bäume und Heckenpflanzen gesetzt

Warum dieser Park besonders ist
Er ist nicht gewachsen, er wurde angelegt. Ab 1825 ließ William Dawson, der Schwiegersohn des Herzogs von Wellington, aus den Äckern und Weinbergen des Grundstücks einen englischen Park machen. Das Anwesen hieß damals „William's House".
1846 kaufte der Fabrikant Hubert Schaaffhausen die gut dreizehn Hektar für 18.000 Taler, nach dem damaligen Münzfuß rund 300 Kilogramm Feinsilber. Sein Sohn Hermann Schaaffhausen baute den Turm und ließ 1874 nach dem Tod seiner Frau einen klassizistischen Rundtempel errichten.
Hermann Schaaffhausen war Anatom in Bonn und gilt als einer der Begründer der modernen Anthropologie, also der Wissenschaft vom Menschen und seiner Herkunft. Bekannt wurde er 1857: Er deutete die Knochen, die ein Jahr zuvor in einem Steinbruch im Neandertal gefunden worden waren, als Reste einer eigenen, früheren Menschenform. Der Neandertaler hat seinen Namen aus dieser Deutung.
In den 1870er Jahren war das Haus ein gesellschaftlicher Mittelpunkt. Der spätere Kaiser Wilhelm II. war 1876 zu Besuch, die Königin von Schweden verbrachte von 1892 bis 1906 ihre Ferien hier.
Den Unterbau des Monopteros bildet eine nach vier Seiten geöffnete und mit Lavasteinen verkleidete Grotte.
Seit 1925 gehörte die Anlage dem Erzbistum Köln, ab 1953 war sie Kinderheim, von 1988 bis 2012 ein Gesundheitszentrum. Danach stand sie leer.
Die Eintragung in die Denkmalliste der Stadt Bad Honnef erfolgte am 26. April 1984. Sie umfasst ausdrücklich auch die Parkanlage.
Für die Baustelle heißt das: Jede Fläche, die wir angefasst haben, war Teil eines eingetragenen Baudenkmals. Nicht nur die Villa, nicht nur der Rundtempel, sondern der Boden dazwischen.
Das Grundstück liegt in Bad Honnef-Rommersdorf am Fuß des Siebengebirges, gut vierzig Kilometer von unserem Betriebshof in Köln entfernt. Der Hang, die alten Bäume und die Nähe zum Rhein bestimmen, wie das Wasser läuft und wie tief man gründen muss. Auf ebenem Gelände wäre das dieselbe Fläche und eine ganz andere Baustelle.
Ab 2021 sind im Park vier Wohngebäude mit einer gemeinsamen Tiefgarage entstanden. Der Parkteil westlich der Villa soll wiederhergestellt und öffentlich zugänglich werden. Ein Teil dessen, was wir gebaut haben, wird also nicht nur von den Bewohnern benutzt.
Unser Anteil
Was wir gebaut haben

Los 1: das Parkensemble
Der größere Teil. Boden pflanzfertig aufbereiten und bepflanzen auf 8.840 Quadratmetern, dazu 1.230 Quadratmeter Wege und Plätze mit ihren Einfassungen. Hundert Meter Leitungen, Natursteinmauern, Treppen und Fundamente.
Hinter der Flächenzahl stehen einzelne Mengen, die zeigen, wovon ein Park in dieser Größe lebt. 2.160 Hainbuchen als Heckenpflanzen, gesetzt, verankert und geschnitten. Wer 2.160 Pflanzen setzt, hebt 2.160 Pflanzlöcher aus, und jedes einzelne entscheidet mit darüber, ob die Hecke nach drei Jahren geschlossen ist.
Dazu 33 Hochstämme, jeder einzeln ausgeschrieben und jeder mit einem Dreibock verankert: fünf Säulen-Eichen mit 18 bis 20 Zentimetern Stammumfang, 27 Feld-Ahorne in sechs verschiedenen Größen und eine Waldkiefer als Solitär. Sträucher und Stauden kamen als Pauschale dazu. Gesät wurden 5.290 Quadratmeter Spielrasen nach Regelsaatgutmischung 2.3 und 450 Quadratmeter Blumenwiese für die Flächen, die niemand betritt.
Bei den Belägen war der Denkmalschutz der Maßstab. 380 Quadratmeter Granit-Kleinsteinpflaster, 75 Quadratmeter Platten aus Fichtelgebirgs-Granit, dazu die Stufenanlagen: 30 Blockstufen von je 1,20 Meter Breite, 100 Meter Granit als Stellstufe und 118 Meter Kantenstein als Schleppstufe. Das sind Bauteile, die einzeln eingemessen und einzeln versetzt werden.
- Vegetationsflächen
- 8.840 m²
- Wege und Plätze
- 1.230 m²
- Hainbuchen als Hecke
- 2.160 Stück
- Rasenansaat RSM 2.3
- 5.290 m²
- Leitungen
- 100 m

Los 2: die Freianlagen der Villa
Unmittelbar am Denkmal, entsprechend vorsichtig. 530 Quadratmeter Vegetationsflächen, 320 Quadratmeter Wege und Plätze, dazu Mauern, Treppen und Fundamente im Bestand.
Hier liegen die Flächen, die die Bewohner täglich benutzen: 420 Quadratmeter Terrassenplatten im Format 40 mal 60 bei 5 Zentimetern Stärke, 370 Quadratmeter Betonpflaster für Carport und Stellplätze und 440 Meter Pflaster-Einzeiler als Einfassung. Ein Einzeiler ist die schmalste und zugleich unerbittlichste Arbeit im Pflasterbau: Eine Reihe, die nicht in der Flucht liegt, sieht jeder sofort.
Das Gelände fällt zur Villa hin ab. Aufgefangen wird es von 180 Metern Mauerscheiben in vier Höhen, von 55 bis 155 Zentimeter, jede Höhe eine eigene Position im Leistungsverzeichnis. Dahinter liegen 55 Kubikmeter Drainkies, damit hinter der Mauer kein Wasser steht und sie nicht von hinten gedrückt wird.
- Vegetationsflächen
- 530 m²
- Terrassenplatten
- 420 m²
- Mauerscheiben
- 180 m
- Zufahrten, Gehwege
- 1.080 m²

Los 3 und Los 4
Wo der Landschaftsbau aufhört
Am Hang stützen 220 Quadratmeter Gabionen das Gelände, sieben Meter hoch und mit eigener Statik. Eine weitere Gabionenwand fasst die Tiefgaragenzufahrt ein, an der Verbauwand sichert ein Geländer gegen Absturz.
Dazu 190 Meter Stabgitterzaun als Absturzsicherung und zehn Flügeltore, 25 gerodete Wurzelstöcke, 100 Meter Leerrohr für die Elektroleitungen und zehn Plattendruckversuche als Nachweis, dass der Unterbau trägt.
Das ist der Punkt, an dem ein reiner Gartenbaubetrieb aufhören muss und wir weitermachen: Statik, Verbau, Entwässerung, Leitungsbau. Wir haben diese Gewerke im eigenen Haus, weil wir daneben Tiefbau und Straßenbau machen. Für den Bauherrn ist das eine Schnittstelle weniger, genau dort, wo Schnittstellen teuer werden.
Der schwierigste Teil
Ein Park auf einem Betondeckel
Unter einem Teil der Anlage liegt die Tiefgarage der neuen Wohnhäuser. Auf 980 Quadratmetern Decke wächst trotzdem Park. Dafür wurde die Decke gesäubert, mit Schutzvlies belegt und anschließend aufgebaut: 200 Kubikmeter Untersubstrat, 90 Kubikmeter Vegetationssubstrat, 110 Kubikmeter Rasensubstrat.
Vierhundert Kubikmeter Substrat, Lage für Lage auf ein Bauwerk gebracht, das jedes Kilogramm tragen und dicht bleiben muss. Wer hier den Aufbau falsch wählt, hat später entweder eine Pfütze oder einen Wasserschaden in der Garage.
Zwischen Abdichtung und Substrat liegt die eigentliche Bauleistung, die später niemand mehr sieht: 980 Quadratmeter Drainmatte mit Wasserspeicher, 980 Quadratmeter Schutzvlies darunter und 75 Quadratmeter Vertikaldrainage an den aufgehenden Bauteilen. Erst diese drei Lagen entscheiden, wohin das Regenwasser geht.
Ohne sie steht das Wasser im Substrat, die Wurzeln ersticken, und die Last auf der Decke steigt mit jedem Liter. Deshalb ist der Aufbau über einer Tiefgarage keine Gartenarbeit, sondern Ingenieurbau mit Pflanzen obendrauf. Tiefgaragenbegrünung heißt der Fachbegriff dafür. Wohin das gefasste Wasser danach läuft, ist dieselbe Frage wie beim Kanalanschluss: entweder in den Kanal oder auf dem Grundstück zurück in den Boden.
- Tiefgaragendecke
- 980 m²
- Substrat darauf
- 400 m³
- Drainmatte
- 980 m²
- Schutzvlies
- 980 m²
- Vertikaldrainage
- 75 m²

Bestand und Technik
Der alte Baumbestand blieb stehen
Ein Park von 1825 lebt von seinen Bäumen, und die überstehen eine Baustelle nicht von allein. 150 Meter Schutzzaun hielten die Maschinen aus dem Wurzelbereich, dahinter schützte auf derselben Länge ein Wurzelvorhang die Wurzeln beim Aushub.
Beides sind Positionen, die im Angebot Geld kosten und hinterher niemand sieht. Wer sie streicht, spart zweimal: einmal beim Angebot und ein zweites Mal, wenn der Baum drei Jahre später gefällt werden muss.
Die Wege bekamen keine Asphalt- und keine Betondecke, sondern auf 510 Quadratmetern eine wassergebundene Decke. Das ist die Bauweise, die in einen historischen Park gehört und Regen an die Wurzeln lässt statt in den Kanal. Die Bestandsmauer wurde auf 30 Quadratmetern ausgebessert statt ersetzt.
- Baumschutzzaun
- 150 m
- Wurzelvorhang
- 150 m
- Wassergebundene Decke
- 510 m²
Ein Park wird abends benutzt oder gar nicht. Achtundachtzig Leuchtenfundamente waren ausgeschrieben, einundachtzig wurden gebaut; darauf stehen 57 Leuchten und zwei weitere an der Remise. Dazu zwölf Steckdosen und zehn Wasserzapfhähne, damit die Pflege ohne Schlauchtrommel auskommt. Das Wasser führen Entwässerungsrinnen der Klasse C und D ab; die Klasse sagt, was darüberfahren darf.
- Leuchtenfundamente
- 81
- Leuchten
- 57 + 2
- Wasserzapfhähne
- 10
Zweihundertfünfzig Jahre
Was vor uns da war
Zwei Weingüter werden eins
Der kurkölnische Prokurator Peter Gottschalk Wasserfall vereinigt zwei Weingüter. Das Fachwerkhaus von 1776 steht heute mit unter Denkmalschutz.
Aus Weinbergen wird ein Park
William Dawson lässt das Gelände zum englischen Park umgestalten.
Der Monopteros
Hermann Schaaffhausen lässt den klassizistischen Rundtempel auf einer mit Lavasteinen verkleideten Grotte errichten.
Eintragung in die Denkmalliste
Villa, Fachwerkhaus, Monopteros und Parkanlage werden am 26. April als Baudenkmal eingetragen.
Die Sanierung beginnt
Im englischen Park entstehen vier Wohngebäude mit Tiefgarage. Der Park westlich der Villa soll wiederhergestellt und öffentlich zugänglich werden.
Die Freianlagen sind fertig
Abnahme im Oktober, nach zwei Jahren Bauzeit.
Nicht nur ausführen
Wir haben auch geplant
Für die Zufahrten und Gehwege, rund 1.080 Quadratmeter, war eine wasserrechtliche Erlaubnis nötig. Den Erläuterungsbericht zum Antrag haben wir selbst verfasst und im Juni 2023 eingereicht.
Hier zahlt sich unsere eigene Planung im Garten- und Landschaftsbau über Landschaftsarchitektur im eigenen Haus für den Bauherrn aus.
- Bauzeit
- 2022 bis 2024
- Substrat auf der Tiefgarage
- 400 m³
- Baumschutz
- 150 m
- Lose
- 4
Der Bauherr hatte einen Ansprechpartner für Planung und Ausführung. Was auf der Baustelle entschieden werden musste, ging nicht erst durch ein zweites Büro.
Was daraus zu lernen ist
Woran ein Großprojekt im Landschaftsbau hängt
Der Boden entscheidet, nicht die Pflanze
Von den 8.840 Quadratmetern Vegetationsfläche sieht man später nichts als Grün. Die Arbeit steckt darunter: lösen, pflanzfertig aufbereiten, verdichten in der richtigen Lage. Was hier gespart wird, sieht man im dritten Vegetationsjahr, und dann hilft keine Nachpflanzung mehr.
Ein Denkmal verzeiht keine Eile
Am Bestand wird nicht ausprobiert. Jeder Eingriff neben einem geschützten Gebäude, einem Rundtempel und altem Baumbestand ist abgestimmt, bevor die Maschine anfährt. Die Bestandsmauer haben wir auf 30 Quadratmetern ausgebessert, nicht abgebrochen und neu gebaut.
Die Technik im Untergrund
Licht, Wasser, Entwässerung, Leitungen: Ein Park ist eine technische Anlage mit Pflanzen darauf. Wir planen unsere Anlagen vollumfänglich, jedes Leerrohr. Hundert Meter davon liegen hier im Boden, für Kabel, die erst Jahre später gebraucht werden. Wie wir im Garten- und Landschaftsbau sonst arbeiten, steht auf der Bereichsseite.
Und danach die Pflege
Fertigstellungs- und Entwicklungspflege bieten wir mit Grund an. Sie entscheiden darüber, ob aus einer Pflanzung eine Anlage wird: bis zu sechzehn Wassergänge, zwölf Mähgänge und zwei Heckenschnitte, verteilt über Jahre. Das sind Durchgänge, keine Termine.
Zum Nachlesen
Öffentliche Quellen
Was auf dieser Seite über das Denkmal und seine Geschichte steht, können Sie gerne bei externen Quellen nachlesen:
Wir führen diese Verweise auf, weil eine Referenzseite sonst nur Selbstauskunft ist. Die Baugeschichte, der Denkmaleintrag von 1984 und die Familie Schaaffhausen sind öffentlich dokumentiert und stammen nicht von uns. Was von uns stammt, sind die Bauzahlen: Sie kommen aus dem Leistungsverzeichnis und der Messurkunde zur Schlussrechnung vom Oktober 2024.
Zur Anlage selbst finden Sie im Netz weniger, als man erwarten würde. Das Projekt lief während der Bauzeit ohne öffentliche Begleitung, der Projektentwickler besteht nicht mehr. Umso mehr hängt an dem, was nachprüfbar ist.
Villa Schaaffhausen bei Wikipedia
Baugeschichte, Denkmaleintrag, Monopteros
Bürgerstiftung Bad Honnef
Ortsgeschichte und Familie Schaaffhausen
General-Anzeiger: Die Römerquelle sprudelt wieder
Rundgang über die Sanierungsbaustelle
Naturpark Siebengebirge: Schaaffhausenkanzel
Hermann Schaaffhausen und die Umgebung
Bilder bei Wikimedia Commons
Historische und aktuelle Aufnahmen
Sie planen etwas in dieser Größe?
Schicken Sie uns, was Sie haben: Lageplan, Leistungsverzeichnis oder nur Ihre Ideen. Wir sagen Ihnen, was noch fehlt. Auch dann, wenn wir am Ende nicht bauen.
Email-Anfrage
Schreiben Sie uns Ihr Anliegen, wir melden uns zeitnah bei Ihnen:
info@pilot-gmbh.de
Telefon-Anfrage
Rufen Sie uns an, wir beraten Sie persönlich:
+492236/888550



