
Referenz · Remscheid · 2021 bis 2022
Spezialtiefbau in Remscheid
Berliner Verbau am Steilhang: eine Baugrube zwischen Straße und Nachbarmauer
Spezialtiefbau in Remscheid, an der Unterhützer Straße: Hier entsteht ein Mehrfamilienhaus auf einem Grundstück, das steil zur Straße abfällt. Für die Baugrube haben wir einen Berliner Verbau gebaut, freistehend und ohne Anker, mit 46 Trägern, die durch Ton- und Sandstein gebohrt wurden.
Geplant und berechnet haben wir den Verbau selbst. Ausgeführt haben wir Verbau und Erdbau aus einer Hand, für einen Bauträger, vom Dezember 2021 bis zum September 2022.
Der Umfang in Zahlen
Quadratmeter Berliner Verbau
Stahlträger HEB 400, bis 9,91 Meter lang
Meter Bohrung durch Fels
Kubikmeter Aushub

Die Aufgabe
Warum diese Baugrube einen Verbau brauchte
Ein Hang, der zur Straße fällt
Das Gelände liegt bis auf 234,53 Meter über Normalnull, die Sohle der Baugrube zwischen 224,14 und 229,35 Meter. Das ist ein Geländesprung von rund zehn Metern auf einem schmalen Grundstück. Eine Böschung hätte das halbe Grundstück gekostet.
Die Nachbarn direkt an der Grenze
Hinter der Verbauwand verläuft die Grundstücksgrenze in einem bis zwei Metern Abstand. Oben steht die Betonstützmauer des Nachbargrundstücks. Die Wand musste halten, ohne dass ein Anker unter das Nachbargrundstück reicht. Deshalb ist der Verbau frei stehend und im Boden eingespannt.
Fels ab zwei Metern
Laut Statik beginnen Ton- und Sandstein in zwei bis sechs Metern Tiefe. Jedes Trägerloch wurde verrohrt vorgebohrt, mit 400 Millimetern Durchmesser. In 45 von 46 Bohrlöchern stießen wir auf Fels, zusammen auf 230,80 Meter, je Loch zwischen 1,29 und 7,91 Meter.
Kampfmittel und Bestandsbäume
Vor dem Bohren stand die Kampfmittelfreigabe. Beantragt waren 46 Sondierbohrungen bei der Stadt Remscheid, abgerechnet wurden 182 Meter. Weil Bestandsbäume im Bohrbereich standen, musste die Sondierung nach einer Fällung neu eingerichtet werden, und nach Vorgabe des Baumgutachters kam ein zusätzlicher Verbauabschnitt dazu.

Dezember 2021 bis Februar 2022
Vor dem ersten Bohrloch
Der Hang war gerodet, die Bohrpunkte für Sondierung und Träger markiert. Oben steht die Betonstützmauer des Nachbargrundstücks, ihr Fundament lag nach dem Roden frei. Ein bis zwei Meter dahinter verläuft die Grundstücksgrenze.
Im Januar 2022 zeigte die erste Böschung, was unter dem Hang liegt: steiniger Boden über Ton- und Sandstein. Im Februar stand die Baugrube, mit frei stehenden Trägern im Fels und der Holzausfachung dazwischen.
Unser Anteil
Was wir gebaut haben

Der Verbau
Eine Trägerbohlwand, also ein Berliner Verbau mit Holzausfachung. 46 Stahlträger HEB 400 aus S 235 in sechs statischen Positionen, im Abstand von 1,50 bis 2,50 Metern und 5,74 bis 9,91 Meter lang. Zusammen sind das rund 412 Meter Träger.
Die Ansichtshöhe der Wand lag bei 3,66 bis 3,77 Metern, die Fläche bei 310 Quadratmetern. Ausgefacht wurde mit Nadelholz im Takt des Aushubs. Oben sichert ein Geländer über 85,5 Meter gegen Absturz.
Vier Träger mit 9,91 Metern Länge blieben im Boden, zusammen 6.302 Kilogramm Stahl. Alle übrigen haben wir nach dem Verfüllen wieder gezogen, den letzten am 1. September 2022.
- Verbaufläche
- 310 m²
- Träger HEB 400
- 46 Stück
- Bohrdurchmesser
- 400 mm
- Felsbohrung
- 230,80 m
- Absturzsicherung
- 85,5 m

Der Erdbau
Ausgehoben haben wir 3.263,79 Kubikmeter leicht lösbaren Boden, dazu den Fels, den die Tagesberichte mit 1.313 Kubikmetern ausweisen. Die Sohle wurde auf 1.239 Quadratmetern planiert und verdichtet.
Unter dem Gebäude haben wir den Boden ausgetauscht: 717 Kubikmeter Recyclingmaterial und 65 Kubikmeter Naturstein. Ob der Unterbau trägt, zeigten drei Lastplattendruckversuche nach DIN 18134. Verfüllt wurde mit 374,89 Kubikmetern seitlich gelagertem Material.
Grundwasser lag bei 220 Metern über Normalnull und damit unter der tiefsten Sohle. Eine Wasserhaltung war nicht nötig.
- Aushub
- 3.264 m³
- Fels laut Tagesberichten
- 1.313 m³
- Bodenaustausch
- 782 m³
- Sohle planiert
- 1.239 m²
- Lastplattenversuche
- 3
Statik und Planung
Gerechnet im eigenen Auftrag
Eine Statik von 183 Seiten
Die Ausführungsstatik haben wir im Dezember 2021 im eigenen Auftrag erstellen lassen, gerechnet mit dem Programm GGU. Bemessen wurde für die vorübergehende Bemessungssituation BS-T nach DIN 1054 und DIN EN 1997-1, der Erddruck nach DIN 4085, dazu die Empfehlungen des Arbeitskreises Baugruben EB 8, 55, 56, 57, 99 und 104. Die Hölzer der Ausfachung sind nach DIN 4074-1 sortiert.
Sechs statische Positionen
Die Wand ist nicht überall gleich. Die Statik unterscheidet sechs Positionen mit eigenen Trägerlängen zwischen 5,74 und 9,91 Metern und Abständen zwischen 1,50 und 2,50 Metern. Grundwasser setzt sie bei 220 Metern über Normalnull an, unter der tiefsten Sohle.
Der Verbauplan aus unserem Büro
Übersichtsplan und Schnitte stammen aus unserem eigenen Büro. Im Plan stehen jeder Träger von T 01 bis T 46 mit Länge und Lage, die Sohlhöhen, die Grundstücksgrenze und die Abstände, die Krane und Bagger nach EB 57 zur Wand halten müssen. Für höhere Nutzlasten verlangt der Plan einen Nachweis der Gesamtstandsicherheit nach DIN 4084.
Abgerechnet nach Aufmaß
Verbau und Erdarbeiten waren getrennt beauftragt und wurden nach Aufmaß abgerechnet. Jede Bohrung ist mit ihrer Felstiefe im Aufmaß dokumentiert, jeder Träger mit seiner Länge. So lässt sich auch nach Jahren nachvollziehen, was im Boden steckt und was wieder herausgekommen ist.

Eng, steil und mitten zwischen Nachbarn
Die Baustelle im Wohngebiet
Krane neben der Wand. Für den Rohbau wurden im Januar 2022 zwei Krane abgestimmt, ein GTMR 336 A und ein Potain HD 40 A. Ihre Schwenkradien sind in einem eigenen Lageplan eingetragen. Der Verbauplan legt fest, welchen Abstand Krane und Bagger nach EB 57 zur Wand halten müssen.
Eine zweite Baustelleneinrichtung. Im Lauf der Arbeiten wurde eine zweite Baustelleneinrichtung nötig. Dabei haben wir die Decke mit Stahlplatten geschützt.
Absturzsicherung und Straße. Oben an der Wand sicherte eine Absturzsicherung über 85,5 Meter die Kante. Unten liegt die Unterhützer Straße mit Gehweg, zur Straße hin war das Grundstück mit einem Bauzaun abgesperrt.
Was im Boden bleibt. Vier Träger HEB 400 mit 9,91 Metern Länge blieben als verlorene Träger im Boden und sind als solche abgerechnet. Die übrigen 42 Träger haben wir nach dem Verfüllen wieder gezogen.
Neun Monate
Der Ablauf
Auftrag
Verbau und Erdarbeiten werden am 26. November beauftragt, abgerechnet nach Aufmaß.
Eigene Verbauplanung
Übersichtsplan und Schnitte aus unserem Büro, Stand 5. Dezember, dazu die Ausführungsstatik nach DIN 4085, DIN EN 1997-1 und EAB.
Bohrfreigabe
Kampfmittelfreigabe am 6. Dezember, am selben Tag beginnt die Baustelle.
Fels im Bohrloch
Die Bohrungen treffen fast überall auf Fels. Die Felsbohrungen werden im Januar als Nachtrag vereinbart.
Die Träger stehen
Am 9. Februar sind alle Träger gesetzt, ab dem 14. Februar läuft die Vorhaltung.
Rückbau
Der Rohbau ließ das Verfüllen erst spät zu. Die Träger standen deshalb bis Ende August, am 1. September ist der letzte gezogen.
Was daraus zu lernen ist
Woran ein Verbau am Hang hängt
Der Fels zeigt sich erst beim Bohren
Eine Baugrunderkundung gibt Tiefen an einzelnen Punkten an. Wie viel Fels tatsächlich kommt, weiß man erst, wenn das erste Bohrloch steht. Deshalb gehört die Zulage für Felsbohrung als eigene Position ins Angebot, mit Meterpreis, nicht als Überraschung in den Nachtrag.
Ohne Anker, wenn der Nachbar nicht zustimmt
Ein rückverankerter Verbau braucht das Recht, Anker unter das Nachbargrundstück zu setzen. Wo das fehlt, muss die Wand frei stehen. Dann werden die Träger länger und tiefer eingespannt, wie hier bis 9,91 Meter. Wie ein Berliner Verbau sonst gebaut wird, steht unter Berliner Verbau.
Die Vorhaltung hängt am Rohbau
Zwölf Wochen Vorhaltung waren vereinbart, gestanden hat der Verbau fast sieben Monate. Verfüllen kann man erst, wenn der Keller steht. Wer die Vorhaltung als feste Dauer kalkuliert, sollte sagen, was jede weitere Woche kostet.
Planung und Ausführung aus einem Haus
Statik, Verbauplan, Bohrung, Aushub und Bodenaustausch lagen hier bei uns. Jede Änderung auf der Baustelle ging direkt an die eigene Planung zurück. So arbeiten wir im Tiefbau in Köln und im Umland.
Fragen zu diesem Projekt
Warum wurde hier nicht rückverankert?
Vereinbart war ausdrücklich ein Verbau ohne Ankerung. Die Wand steht deshalb frei und ist im Boden eingespannt, mit Trägern bis 9,91 Meter Länge. Eine Aussteifung quer durch die Baugrube gab es ebenfalls nicht.
Wie bohrt man Träger in Fels?
Verrohrt vorgebohrt, mit 400 Millimetern Durchmesser. In Remscheid traf die Bohrung in 45 von 46 Löchern auf Ton- und Sandstein, je Loch zwischen 1,29 und 7,91 Meter tief. Die Felsbohrung wird als eigene Zulage je Meter abgerechnet.
Musste auf Kampfmittel sondiert werden?
Ja. Die Kampfmitteluntersuchung wurde bei der Stadt Remscheid beantragt, 182 Meter Sondierbohrung sind abgerechnet. Gebohrt wurde erst nach der Freigabe am 6. Dezember 2021.
Wie lange stand der Verbau?
Die Träger standen ab dem 9. Februar 2022, die letzten wurden am 1. September 2022 gezogen. Vereinbart waren zwölf Wochen Vorhaltung, gestanden hat der Verbau rund sieben Monate, weil das Verfüllen am Fortschritt des Rohbaus hing.
Haben Sie auch die Erdarbeiten gemacht?
Ja, als eigenen Auftrag: 3.263,79 Kubikmeter Aushub, der Fels, 782 Kubikmeter Bodenaustausch, das Planum der Sohle auf 1.239 Quadratmetern, drei Lastplattendruckversuche und die Verfüllung.
Sie haben einen Hang oder eine enge Baugrube?
Schicken Sie uns Lageplan, Bodengutachten und Kampfmittelauskunft, soweit vorhanden. Wir sagen Ihnen, welcher Verbau passt und was noch fehlt. Auch dann, wenn wir am Ende nicht bauen.
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